Afrika
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Kenia-Tagebuch von Gerhard Melchinger



An dieser Stelle berichtet Gerhard Melchinger aus North Horr im Norden Kenias, wo er nun schon zum zweiten Mal die Sanierungsarbeiten an der örtlichen Gesundheitsstation leitet.

Dienstag, 13.05.08

Ich bin gut angekommen in North Horr und habe ich mich gleich an die Arbeit gemacht. Ich habe wieder 6 Mitarbeiter, wie letztes Jahr. Es ist einiges von meiner Ausbildung hängen geblieben, vor allem denken die Männer mit. Jedes Gebäude hat nun Licht. Die Solaranlage wurde umgebaut.

Wir haben Regenrinnen montiert und hoffen, dass es endlich regnet und wir Wasser in den Tanks sammeln können.

Einen Tag lang litt ich unter Durchfall und Kopfschmerzen, ansonsten bin ich fit.

Gruß an Deutschland. Euer Gerhard

Dienstag, 27.05.08

Ich befinde mich gerade in Marsabit, wohin wir Pater Herrmann gebracht haben. Er tritt seine Rückreise an. In Marsabit haben wir noch Einkäufe für unsere Renovierungsarbeiten getätigt. Am Mittwoch sind wir zurück nach North Horr gefahren. Mir ist allerdings noch ein kleines Unglück passiert. Beim Verladen einer Spüle habe ich mir einen tiefen Schnitt im Finger zugezogen. Während bei uns die Kanten der ausgestanzten Edelstahlmaterialien alle abgeschliffen sind, werden sie hier nicht behandelt und sind messerschaft. Daran habe ich nicht mehr gedacht und mich prompt so verletzt, dass es mir einen Augenblick schwindelig wurde. Bei einem Schweizer, der in Marsabit wohnt, konnten wir Verbandsmaterial kaufen und mich verarzten.

Dieses Jahr ist es weniger heiß, als letztes. Es ist bewölkt, aber die Wolken bringen keinen Regen. Sie scheinen North Horr einfach zu ignorieren.

Mir geht es gut. Grüße an alle. Gerhard.

Dienstag, 03.06.08

In North Horr läuft alles gut. Im Haus haben wir den Estrich herausgeschlagen. Mit der Wasserleitung gibt es ein Problem. Irgendwo befindet sich ein Leck. Das heißt, wir müssen die ganze Leitung ausbuddeln.

Dabei ist leider ein Missgeschick passiert. Jemand hat in die Leitung ein Loch geschlagen. Solche Maleurs kennen wir ja auch von Gasleitungen in Deutschland. Von einer alten Kunstwerkleitung habe ich ein Stück herausgeschnitten und dieses auf das Loch mit einem Krepp geklebt.

Meine Verletzung am Finger ist schon etwas hinderlich bei den Renovierungsarbeiten. In den Wänden sind Risse, die wir beseitigen müssen.

Beim Fundament gibt es auch Probleme. Es ist zum Teil vom Salz im Sand so angegriffen, dass es gar nicht mehr vorhanden ist. Wir nehmen alte Betonplatten als Schalung und gießen sie mit Zement aus.

Der Betonboden ist eine echte Herausforderung. In der Mitte gibt es einen Berg, den wir in Handarbeit mit Hammer und Meisel abspitzen müssen. Dies ist sehr anstrengend, so dass ich jeden Mitarbeiter nur eine Stunde am Tag damit beschäftigen kann. Als Schutzbrille dient meine Sonnenbrille, die ich zum Autofahren nehme. Sie ist nicht so dunkel und hat große Gläser.

Meinen Handwerkern muss ich viel weniger erklären, als letztes Jahr. Aber ich muss alles kontrollieren.

Am Wochenende war viel los in North Horr. Es gab viel Besuch. Eine Delegation von Schwestern, die zu einer von Mutter Theresa gegründeten Organisation gehören, war hier. Sie wollen ein Heim für unterernährte Kinder gründen. Da sie ein Heim im Sudan aufgrund des Bürgerkrieges aufgeben müssen, sollen die Schwestern nun eine neue Tätigkeit in North Horr erhalten. In Marsabit gibt es schon so ein Heim.

Viele Grüße, bis nächsten Dienstag, Gerhard

Dienstag, 17.06.2008

  

Mir geht es sehr gut. Allerdings habe ich gestern nacht gefroren. Es hatte nur 24 Grad. Zum Arbeiten ist das Wetter sehr gut. Was fehlt ist Regen, und was unangenehm ist, sind die Sandstürme die jeden Mittag zwischen 11.00 Uhr und 12.30 Uhr stattfinden. Man kann keine 50 m weit blicken. Zum Glück ist da gerade Mittagspause und wir sind drinnen.

Im Moment habe ich drei Jobs:
Ich bringe der Angela, sie ist die Managerin, Seele und Allrounderin der Missionsstation, das Autofahren bei. Die Theorie lernt sie selber, und die Praxis erhält sie von mir. Wenn sie soweit ist, kann sie sich zu einer externen Prüfung anmelden. So einfach ist das. Und das heißt auch, ich brauche keine Fahrlehrerlizenz.

Dann unterrichte ich eine Gruppe von Jugendlichen und Assistantteachers, nach der Schule und samstags, darin, wie man Erdblocks herstellt. Diese sind etwas größer als Ziegel, bestehen aus einem Ton/Sandgemisch mit ganz wenig Zement und kaum Wasser. Bei meinem Aufenthalt letztes Jahr habe ich in der Missionsstation eine entsprechende Maschine gefunden. Darin wird das Material, das nicht kleben darf, in Form gepresst. Für diese Presse müssen wir allerdings zuerst ein festes Fundament bauen, damit sie, wenn sie in Betrieb ist, nicht wackelt.

Die Renovierungsarbeiten gehen gut voran. Überall sind neue Wasserhähne und Wasseranschlüsse montiert worden.

Dann haben wir die metallenen Zu- und Abwasserleitungen, die, weil sie unter der Erde sind, ziemlich verrostet waren, durch Kunststoffleitungen ersetzt. Die Schächte zu den Abwasserkanälen wurden gereinigt. Dabei kamen Plastiktüten, Knochen, Sand und allerlei anderer Dreck zutage. Das lag daran, dass die Blechdeckel, mit denen die Schächte zugedeckt werden sollten, regelmäßig verschwanden. Nun habe ich sie mit einer 5 cm dicken Betonschicht geschlossen, die man bei Bedarf gut aufbrechen kann.

Letzten Freitag und Samstag waren Anton und Angela in Loiangalami. Dort hat der deutsche Botschafter ein Kulturfestival organisiert. Die Turkana haben gesungen und getanzt. Normalerweise haben die Gabbra Angst vor den Turkana, tatsächlich wurden Angela und Anton immerhin von 6 Gabbra begleitet. Das Festival war ein Erfolg.

Heute sind wieder zwei Charity-Sisters von Mutter Theresas Organisation wegen der Errichtung des Waisenhauses in der Missionsstation. Bald soll über einen Baubeginn entschieden werden. Zuerst musste jedoch das Auto der beiden Ordensschwestern in der Werkstatt der Mission repariert werden.

Leider war es mir noch nicht möglich, Fotos zu schicken. Mailen kann ich sie schon gar nicht, aber ich hoffe, dass ich die Gelegenheit bekomme, Besuchern aus der Nähe von München, die hier durchreisen wollen, einen Stick mitzugeben. Ich bleibe dran. An allem.

Ganz liebe Grüße. Euer Gerhard

Dienstag, 24.06.2008

 

Die Herstellung der Erdblocks ist erfolgreich. Meine Mitarbeiter sind sehr engagiert und haben sich die Arbeit gut eingeteilt: Die Jungs, die nicht als Hilfslehrer tätig und arbeitslos sind, arbeiten vormittags und die Hilfslehrer und diejenigen, die einen Job haben, arbeiten nachmittags. Alle sind bereit am Samstag und Sonntag zu arbeiten. Bis nächste Wochen sollen 1000 Blocks hergestellt werden. Damit wollen wir ein kleines Haus, als Musterhaus, für eine sehr arme Familie bauen. Der Grundriss beträgt 5,20 x 3,00 m. Bis nächsten Samstag sollen 250 Blocks für die Mauer hergestellt werden. Die Mauer wird mit Beton ummantelt, den wir von Hand herstellen, weil die Maschine kaputt ist, und mit Schubkarre transportiert. Das Dach besteht aus einem Wellblech, das die Mission zur Verfügung stellt. Ich muss meine Jungs manchmal speziell motivieren, u. a. indem ich ihnen verspreche, Fotos, z. B. von dem Festival zu zeigen. Nur so waren sie motiviert 25 Schubkarren voll zu transportieren und samstags bis 12.00 fertig zu sein.

Am letzten Samstag ist etwas Lustiges passiert. Mittags bekam ich einen Hilferuf: ein Kamel, das als sehr kurzsichtig bekannt ist, ist in unser Erdloch, aus dem das Ziegelmaterial stammt, gefallen. Ich sollte schnell mit dem Jeep kommen und es herausziehen. Dumm war nur, dass ich kein Seil hatte: also zuerst in die Stadt ein Seil besorgen. Als ich an der Unfallstelle eingetroffen bin, hatte sich schon eine große Menschenmenge angesammelt und es wurde heftig debattiert, wie man das Kamel retten könnte. Ein paar alte Männer meinten, wir sollten das Kamel nicht von vorne mit dem Auto herausziehen, weil das Tier Angst bekommt, und das Auto viel zu schnell dafür ist. Also wurde beschlossen, das Erdloch seitlich anzuschrägen. Nach dieser Schaufelarbeit erklärten sich 10 Männer bereit, mit Hilfe meines neuen Seiles das Kamel herauszuziehen.

Bei einer Krisensitzung am Sonntag in der Mission entschieden wir uns, mit irgendwelchen Restzäunen, Stacheldrähten, Holzbrettern etc., eine Absicherung um das Loch herum zu konstruieren.

Wer weiß, wie viele kurzsichtige Kamele noch durch die Gegend spazieren.

Viele Grüße Euer Gerhard

Dienstag, 1. Juli 2008

   

Jetzt geht es mir wieder gut.

Letzten Mittwoch bin ich mit Kopfweh aufgewacht, und die Fieberschübe und Schweißausbrüche, die mich regelmäßig alle 2 Stunden quälten, waren das Zeichen, dass mich nun doch die Malaria befallen hatte. Von Mittwoch bis Samstag habe ich ein Medikament genommen, das mich aber doch ziemlich außer Gefecht gesetzt hat, so dass ich nur alle 2 Stunden aufstehen konnte, um zu schauen, wie die Arbeit voran geht. Am Sonntag war ich so kaputt, dass ich mich nur ins Bett gelegt habe und alle Verpflichtungen habe sausen lassen. Letztes Wochenende sind dann auch meine Jungs nicht aufgetaucht, weil ich nicht da war und deren Chef auch nicht.

Wir bauen wie schon beschrieben an einem kleinen Haus. Da die Steine nicht ausgereicht haben, sind wir in einen Ort gefahren, der 10 km von North Horr entfernt ist. Dort haben wir die fehlenden Steine besorgt und nachdem wir den Pick up aufgeladen hatten, haben wir gesehen, dass unser Auto einen schleichenden Plattfuß hat. Da kein Ersatzrad und kein Wagenheber vorhanden waren, beschlossen wir langsam Richtung North Horr zu fahren. 5 km vor unserem Ziel fuhr ich durch ein ausgetrocknetes Flussbett und muss wohl mit dem kaputten Rad über einen spitzen Stein gefahren sein. Jedenfalls wars dann Sense.

Mutlos versuchte ich den Pfarrer Anton Mahl von der Missionsstation anzurufen, der auf einem Schulfest für Eltern war und normalerweise NIE sein Handy dabei hat. Und tatsächlich ER ging ran und brachte uns dann kurze Zeit später ein Ersatzrad und den Wagenheber mit. Manchmal fügen sich Dinge.

Auf dem Rückweg einer anderen Steinlieferung, als unser Pick up leer war, hat mich mein Mitfahrer und Mitarbeiter noch zu sich zum Kaffee eingeladen. Als wir bei ihm angekommen sind, haben wir beobachtet wie sein Gabbrah Nachbar gerade dabei war, sein Haus abzubauen. Ich erfuhr, dass der Großvater der Familie gestorben war. Die Tradition der Gabbrah verlangt, dass nach dem Tod eines Familienmitgliedes die Familie mit dem ganzen Haus umziehen muss! Da unser Pick up, wie gesagt leer war, bat er mich, beim Transport zu helfen. Das ganze Haus, d. h. die Baumaterialien, inklusive des gesamten Inventars, aller Kochtöpfe usw. passten exakt auf die Ladefläche. Wie war die Familie froh, dass sie das nicht alles schleppen musste!

Zur Gesundheitsstation: mit zwei Zimmer sind wir mit fließen fertig und dann kommt der Flur dran, zum Schluss die Verschönerung mit den Farben.

Leider gibt es doch vorerst keine Fotos von mir, da die Münchner erst nach mir zurückfliegen.

Ich werde in Zukunft mehr auf Pausen achten und diese auch strikt einhalten.

Viele Grüße Euer Gerhard

Dienstag, 15.07.08

   

Letzten Samstag habe ich den ganzen Tag draußen gearbeitet und wohl etwas zuviel Sonne abbekommen; am Sonntag ging es mir schlecht, ich habe mich ausgeruht. Inzwischen ist alles wieder in Ordnung, mir geht es gut.

Neben den Arbeiten am Hospital geht die Arbeit an dem kleinen Haus für einen unserer Arbeiter gut voran. Die Jungen, die die Steine herstellen, wollen mit den restlichen Steinen bis zum Wochenende fertig sein.

Das ursprüngliche Haus der Familie ist beim letzten Regen zusammengebrochen. Sie mussten eine Woche lang unter einem Baum schlafen, bis sie ihre Küche notdürftig repariert hatten, wo sie nun zu viert hausen.

Es soll ein Demo-Haus werden und die Menschen hier von der Bauweise mit den Erdblocks überzeugen. Das Interesse ist groß: Jeden Tag kommen 20 bis 30 Leute an der kleinen Baustelle vorbei, schauen, was wir hier machen und fragen viel. Bisher bauen sie ihre Häuser aus Baumstämmen, die sie erstens sehr weit (50 bis 70 Kilometer) hertransportieren müssen und die zweitens immer teuerer werden. Die Erdblocks haben den Vorteil, dass das Material dafür im wahrsten Sinne des Wortes direkt vor der Türe liegt, sie sind billiger und die Häuser halten länger und besser.

Ein wohlhabender Mann aus der Umgebung, der ein neues Haus bauen will, hat schon den ersten Auftrag für Erdblocks gegeben. Er kennt die Häuser aus Tansania, hat dort sogar in einem solchen gewohnt, an dem ich damals mitgebaut habe! Und war ganz begeistert, dass er sie nun hier bekommt. Spätestens nach der Regenzeit, wenn sein Haus immer noch gut da steht (was so sein wird!) werden weitere Aufträge kommen.

Im Hospital sind nun alle Waschbecken angebracht und drumherum habe ich gefliest. In den Räumen, in denen es nötig war, ist auch der Boden gefliest. Für die Infowände haben wir Pinnboards fertigen lassen, gestrichen und aufgehängt. Wir haben mit der Mission ausgemacht, dass ich alle technischen Arbeiten bis zu meiner Abreise erledige, den (restlichen) Anstrich machen sie dann selber später.

Für das Gästehaus von Pater Anton habe ich für das Hock-Plumpsklo, wie es sie hier üblicherweise überall gibt, eine komfortablere Lösung mit Toilettensitz entwickelt. Ebenfalls eine Demoversion, die sich allgemeinen Interesses erfreut. Der Bürgermeister hat schon angemeldet, dass er auch so eine Toilette möchte. So hat der Handwerker, der sie gebaut hat, schon einen Folgeauftrag.

Weiter habe ich einen kleinen Sägmehlofen gebaut, in dem die Säge- und Hobelspäne der Schreiner Verwendung finden, die sonst weggeworfen würden, und nun der Familie eines Mitarbeiters Wärme spenden.

Fotos kann ich Euch leider immer noch nicht schicken, das mit dem Internet funktioniert hier nicht. Aber ich fotografiere fleißig und bringe sie dann mit!

Soweit, viele Grüße an alle! Bis nächste Woche, Gerhard.

Dienstag, 22.Juli 2008

 

Das Erdblock-Haus wird heute fertig! Nur noch das letzte Wellblech muss aufs Dach, dann ist es soweit. Heute Abend ist Einweihungsparty. Ich bin auch eingeladen. Leider kann ich nicht kommen, weil ich schon eine andere Verabredung habe: der Bischof kommt nach North Horr, Pater Anton und ich werden ihn begrüßen.

Die letzte Woche ist ein bisschen stressig gewesen. Heute ist mein letzter Arbeitstag und ich wollte noch möglichst viel fertig machen. Ich habe viel geschafft, die Installationen, die Fliesen, das Dach, hätte aber gerne noch mehr geschafft. Zum Beispiel den Anstrich in den Räumen. Aber den machen Pater Anton und seine Mitstreiter, wenn ich weg bin, nun selbst.

Heute werde ich noch abrechnen und packen und eben den Bischof treffen, morgen geht es nach Marsabit und dann nach Nairobi. Samstag fliege ich zurück nach Deutschland. Ich freue mich schon auf zuhause! Wenn ich da bin, kann ich Euch endlich auch die Fotos schicken, die ich hier gemacht habe.

Viele liebe Grüße aus North Horr, bis nächste Woche! Euer Gerhard

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